In diesen Tagen (am 3. und 10. Mai) wären 21 Jugendliche in unserer Gemeinde konfirmiert worden. Die Konfirmationen wurden auf Oktober verschoben. Heute denken wir dennoch an unsere Konfirmand*innen.

„Ich glaube,
daß Gott aus allem, auch aus dem Bösesten, Gutes entstehen lassen kann und will.
Dafür braucht er Menschen, die sich alle Dinge zum Besten dienen lassen.

Ich glaube,
daß Gott uns in jeder Notlage soviel Widerstandkraft geben will, wie wir brauchen.
Aber er gibt sie nicht im voraus,

damit wir uns nicht auf uns selbst, sondern allein auf ihn verlassen.“

Dietrich Bonhoeffer 1943 (im Gefängnis)

 

 

Liebe Konfirmandinnen, liebe Konfirmanden,

heute wäre Eure Konfirmation. In „normalen“ Zeiten wärt ihr heute Morgen schon ganz früh aufgestanden, hättet Euch hübsch gemacht, wir hätten uns im Gemeindehaus getroffen und wären Punkt 10 Uhr gemeinsam unter Glockengeläut in die volle Kirche eingezogen. Alle wären dagewesen, alle hätten sich erhoben. Wir hätten miteinander gesungen, gebetet, gefeiert ...

So war es geplant. Aber so ist es nun nicht. Das Virus hat uns allen einen gehörigen Strich durch die Rechnung gemacht. Wie schade! Wie unglaublich schade! Ich vermute, das hat unsere über 200 Jahre alte Hochdorfer Kirche, die nun wirklich schon viel gesehen hat, noch nie erlebt: dass eine Konfirmation ausgefallen ist, einfach so.

Was wird denn nun werden aus Euren schönen Kleidern, aus den Anzügen, den Einladungen, der Vorfreude? Und was wird aus dem heutigen Tag? Ob ihr ihn irgendwie begeht – anders als geplant natürlich, kleiner vielleicht, bedächtiger – und doch auf irgendeine Weise feierlich?

Ich jedenfalls, ich denke heute an Euch. An Euch und an das, was aus Eurem Konfirmationstag geworden ist. Und an das, was Euch wohl noch erwarten wird im Leben. Wie das wohl alles weitergehen wird? Eure Konfirmationen haben wir nun für den Oktober geplant. Aber wie das wird mit allem anderen?

Möge Gott Euch segnen, Euch und Eure Wege! Das ist es ja, was wir bei der Konfirmation machen: Gott um seinen Segen zu bitten. So hätten wir’s in „normalen Zeiten“ heute Morgen getan. So werde ich es heute tun – trotzdem, oder gerade deshalb.

Gottes Segen. Das ist der Rückenwind, den Gott uns gibt. Er begleitet uns. Er steht uns bei. Er will, dass unsere Wege gelingen. Im Segen sagt Gott zu uns: Ich will Dein Bestes! Aber: Geht das überhaupt? Kann man heute – in Zeiten von Corona – noch glauben, dass Gott unser Bestes will, wo es doch so viel Elend, so große Gefahr und auch so viel Tod gibt in unserer Welt?

Schon andere haben so gefragt. Mir fällt Josef ein, einer der 12 Söhne Jakobs, ihr kennt ihn alle noch aus Grundschulzeiten. Vielleicht erinnert ihr Euch noch an seine Geschichte: Weil seine Brüder neidisch auf ihn waren, haben sie ihn in eine Zisterne geworfen. Später dann haben sie ihn an vorbeiziehende Nomaden verkauft. In Ägypten schien er anfänglich Fuß zu fassen. Dann aber wurde er der Vergewaltigung bezichtigt und kam ins Gefängnis, sollte hingerichtet werden, entkam dann aber doch dem Tod und wurde zum Stellvertreter des Pharao ...

Wer die Geschichte im Ersten Buch Mose nachliest, der merkt: Immer wieder fällt Josef auf die Nase, berappelt sich, um im nächsten Moment gleich wieder abzustürzen. Es ist eine lange Geschichte mit unzähligen Aufs und Abs. Dann aber, am Ende der Geschichte, als er seine Brüder wiedertrifft, die ihn umbringen wollten, sagt Josef den alles entscheidenden Satz. Er sagt:

„Ihr gedachtet es böse mit mir zu machen, aber Gott gedachte es gut zu machen.“ (1. Mose 50,20)

Erstaunlich, findet ihr nicht: Dass einer, der so viel Schlimmes erfahren hat, so etwas sagen kann: Gott hat es – trotz allem! – gut gemacht mit mir! Vieleicht, denke ich, erkennt man ja erst im Rückblick, dass in allen Verrücktheiten des Lebens doch Gott mittendrin war. Gott, der unser Bestes will.

Dem Segen Gottes zu trauen heißt darum: nicht der Enttäuschung über das entfallene Fest das letzte Wort zu geben, sondern darauf zu vertrauen, dass Gott alles zum Guten führt. Was auch immer ich erfahre – sagt Josef – Gott wendet es zum Guten. Was auch immer ich erfahre – sagt Dietrich Bonhoeffer, den ihr ja in Eurer Konfi-Zeit auch kennengelernt habt – aus allem kann Gott Gutes entstehen lassen. Wie schön, so etwas sagen zu können. Wie mutig, es in Zeiten von Corona zu sagen: Ich vertraue darauf, dass Gott alles zum Guten wendet!

Mich beeindrucken Menschen, die aus einem solchen Vertrauen leben können. Das hat Kraft, das ist schön. Immer tiefer in dieses Vertrauen hineinzuwachsen – das wünsche ich mir auch für mich! Und das wünsche ich mir auch für Euch!

Bleibt behütet! Verbringt einen schönen Tag! Und vertraut darauf: Alles wird gut! (So hat es auch wer vom CVJM in den Kirchhof gemalt!)

Und bis wir uns wiedersehen, möge Gott seine schützende Hand über Euch halten

Euer Pfarrer Gerald Holzer